Böden verstehen - besser bewässern
Eine erfolgreiche Bewässerung orientiert sich immer an den Eigenschaften des Bodens. Nur wenn die Bewässerung auf den Boden abgestimmt ist, kann Wasser effizient genutzt werden.
Eine effiziente Bewässerungsstrategie beginnt mit dem Verständnis des Bodens. Entscheidend sind dabei das Wasserhaltevermögen und die Bodenstruktur, denn sie bestimmen, wie viel Wasser gespeichert werden kann und wie schnell es den Pflanzen zur Verfügung steht. Als Mass für das pflanzenverfügbare Wasser dient die nutzbare Feldkapazität (nFK). Sie beschreibt jene Wassermenge, die ein Boden nach dem Abfliessen des überschüssigen Wassers gegen die Schwerkraft halten kann, abzüglich des Wassers, das am Welkepunkt für Pflanzen nicht mehr verfügbar ist.
Je nach Bodenart unterscheidet sich die nutzbare Feldkapazität erheblich. Sandböden verfügen mit lediglich 4 bis 10 Volumenprozent über ein sehr geringes Wasserspeichervermögen. Wasser versickert hier rasch, weshalb diese Böden häufig, aber mit kleinen Wassergaben bewässert werden müssen. Lehmböden gelten mit einer nFK von 20 bis 25 Volumenprozent als besonders günstig für die Landwirtschaft, da sie Wasser gut speichern und gleichzeitig eine ausreichende Drainage gewährleisten. Tonböden erreichen zwar ebenfalls hohe Werte von 15 bis 30 Volumenprozent, doch aufgrund ihrer feinen Poren wird das Wasser sehr stark gebunden und steht den Pflanzen nur eingeschränkt zur Verfügung. Moorböden besitzen dank ihres hohen organischen Anteils die grösste Wasserspeicherkapazität und können 40 bis 60 Volumenprozent Wasser aufnehmen.
Die Bodenart beeinflusst somit direkt, wie oft und in welcher Menge bewässert werden sollte. Leichte, sandige Böden zeichnen sich durch ihre lockere Struktur und gute Durchlässigkeit aus, neigen jedoch zur schnellen Auswaschung von Wasser und Nährstoffen. Um die Feuchtigkeit im Wurzelraum aufrechtzuerhalten, sind regelmässige, kleine Wassergaben erforderlich. Schwere Böden mit einem hohen Lehm- oder Tonanteil sind hingegen meist sehr fruchtbar, können jedoch zu Staunässe, Verschlämmung und Verdichtung neigen. Hier empfiehlt sich eine langsame Bewässerung mit geringen Wassermengen über einen längeren Zeitraum, damit das Wasser gleichmässig in tiefere Bodenschichten eindringen kann, ohne oberflächlich abzufliessen.
Neben der Bodenart spielen auch Kultur und Wurzelsystem eine wichtige Rolle bei der Wahl der Bewässerungsstrategie. So benötigen flachwurzelnde Kulturen auf leichten Böden häufiger Wasser, während tiefwurzelnde Pflanzen wie Zuckerrüben grössere Wasservorräte aus tieferen Bodenschichten erschliessen können. Zunehmend werden zudem Strategien der Defizitbewässerung eingesetzt. Dabei erfolgt die Bewässerung gezielt erst dann, wenn die Bodenfeuchte einen definierten Schwellenwert – beispielsweise 30 bis 60 Prozent der nutzbaren Feldkapazität – unterschreitet. Dadurch lässt sich Wasser effizient einsetzen, ohne unnötige Ertragseinbussen in Kauf zu nehmen.
Auch die Infiltration des Wassers unterscheidet sich je nach Boden. Auf schweren Böden können während längerer Trockenperioden Schrumpfrisse entstehen. Über diese sogenannten präferenziellen Fliesswege gelangt Wasser rasch in tiefere Bodenschichten, ohne im Wurzelraum gespeichert zu werden. Moderne Bewässerungssysteme begegnen solchen Herausforderungen mit einer präzisen Steuerung. Mithilfe von Bodenfeuchtesensoren sowie Daten zur Evapotranspiration kann die Wassergabe optimal an Bodentyp, Kultur und aktuelle Witterungsbedingungen angepasst werden.
Zusammenfassend gilt: Eine erfolgreiche Bewässerung orientiert sich immer an den Eigenschaften des Bodens. Während leichte Böden eine kontinuierliche Kontrolle der oberflächlichen Bodenfeuchte und häufige Wassergaben erfordern, benötigen schwere Böden vor allem eine langsame und angepasste Wasserzufuhr. Nur wenn die Bewässerung auf die Speicherfähigkeit und Struktur des Bodens abgestimmt ist, kann Wasser effizient genutzt und die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten werden.
T. Lottaz 2026
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