Wirtschaftlichkeit der Bewässerung

Die Wirtschaftlichkeit der Bewässerung im Kartoffel- und Gemüsebau hängt entscheidend davon ab, ob sich die höheren Kosten durch grössere Erträge und eine bessere Produktqualität ausgleichen lassen.

Die Wirtschaftlichkeit der Bewässerung im Kartoffel- und Gemüsebau hängt entscheidend davon ab, ob sich die zusätzlichen Kosten durch höhere Erträge und eine bessere Produktqualität ausgleichen lassen. Gerade Kartoffeln und viele Gemüsekulturen reagieren besonders empfindlich auf Wassermangel und zählen deshalb zu den beregnungswürdigsten Ackerkulturen. Eine gezielte Bewässerung trägt nicht nur zur Ertragssicherung bei, sondern gewährleistet auch eine gleichbleibend hohe Qualität.

Ob sich eine Bewässerungsmassnahme wirtschaftlich lohnt, hängt davon ab, ob der Mehrerlös aus höheren Erträgen und einer verbesserten Qualität die zusätzlichen Verfahrenskosten übersteigt. In trockenen Jahren können die marktfähigen Kartoffelerträge ohne Bewässerung um bis zu 65 Prozent zurückgehen. Versuchsergebnisse zeigen, dass durch Zusatzbewässerung Mehrerträge von durchschnittlich 85 bis 187 Dezitonnen pro Hektar erzielt werden können. Neben der reinen Ertragssteigerung verbessert die Bewässerung auch die Qualität der Knollen, indem sie beispielsweise Wachstumsrisse, Schorf oder Hohlherzigkeit reduziert. Dadurch steigt die Marktfähigkeit der Ernte und die Lieferfähigkeit gegenüber den Abnehmern bleibt auch in trockenen Jahren erhalten.

Die Wirtschaftlichkeit hängt jedoch auch vom eingesetzten Bewässerungssystem ab. Während bei einem Rollomat bereits ein Mehrertrag von rund 27 Dezitonnen marktfähiger Ware pro Hektar ausreicht, um die Kosten zu decken, liegt die notwendige Ertragssteigerung bei einer Tröpfchenbewässerung aufgrund der höheren Investitionskosten bei etwa 63 Dezitonnen pro Hektar. Die Wahl des Systems sollte daher sowohl die betrieblichen Voraussetzungen als auch die Kultur und die langfristigen Kosten berücksichtigen.

Ebenso entscheidend ist der richtige Zeitpunkt der Bewässerung. Besonders bei Kartoffeln gilt der Zeitraum von der Blüte bis zum Krautabsterben als die kritischste Entwicklungsphase. Zusätzliche Wassergaben sind in der Regel dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn die Bodenfeuchte unter etwa 50 Prozent der nutzbaren Feldkapazität (nFK) sinkt.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Defizitbewässerung zunehmend an Bedeutung. Sobald der maximale Ertrag nahezu erreicht ist, nimmt der Nutzen jeder weiteren Wassergabe ab. Eine gezielte Reduzierung der Wassermenge kann in dieser Phase den Energie- und Wasserverbrauch deutlich senken, während die Ertragseinbussen gering bleiben. Voraussetzung dafür ist jedoch eine präzise Kenntnis der Bodenfeuchte und des Wasserbedarfs der Kultur.

Mit steigenden Energie- und Wasserkosten rückt zudem die Effizienz der Bewässerungstechnik immer stärker in den Fokus. Stationäre Systeme wie Kreisberegnungsanlagen benötigen aufgrund ihres geringeren Betriebsdrucks rund 50 bis 60 Prozent weniger Energie als mobile Rollomaten mit Beregnungskanonen. Auch eine optimierte Leitungsführung mit grossen Rohrdurchmessern und Ringschlüsse reduziert Druckverluste und senkt damit die Pumpkosten. Besonders wassersparend arbeitet die Tröpfchenbewässerung. Trotz höherer Investitionskosten kann sie den Wasserverbrauch gegenüber herkömmlichen Beregnungssystemen um bis zu 36 Prozent reduzieren. Dieser Vorteil gewinnt insbesondere in Regionen mit begrenzten Wasserentnahmerechten zunehmend an Bedeutung.

Zusammenfassend bleibt die Bewässerung im Kartoffel- und Gemüsebau auch unter steigenden Energie- und Wasserkosten in den meisten Fällen wirtschaftlich sinnvoll. Entscheidend ist jedoch, dass sie bedarfsgerecht erfolgt und auf Grundlage von Bodenfeuchtedaten sowie unter Einsatz energieeffizienter Technik gesteuert wird. Nur so lassen sich Ertrag, Qualität und Ressourceneffizienz langfristig miteinander verbinden.

T. Lottaz, 2026

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